Pellegrino Atrusi

Pellegrino Atrusi

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Pellegrino Artusi: der Mann, der dreimal lebte.

Drei Leben lebte Pellegrino Artusi – mindestens. Das erste war das Leben eines Kleinstädters in der Familie bescheidender Kaufleute, einziger Sohn mit sechs Schwestern, Grundschule und Praktikum in Livorno. Nach der Episode des Brigantenüberfalls 1851 zog die Familie Artusi nach Florenz, wo sie einen Stoffhandel übernimmt, mit der Romagna handelt, Seidenraupen züchtet und in ruhigem Wohlstand lebt. Von der sehr armen Romagna kam Pellegrino Artusi also über die Apennin-Pässe in die Toskana und trat so in sein zweites Leben ein, in dem man Italienisch spricht, gut isst und beginnt, sich als Italiener zu fühlen. Das dritte Leben des Pellegrino Artusi begann als Junggeselle in einer Wohnung der neuen Viertel von Florenz, Piazza D’Azeglio 25, als er sich aus den Geschäften zurückzog und beschloss, sich mit Kultur zu beschäftigen. Er las, er sann, er lernte, notierte und schrieb. Seine literarischen Ambitionen brachten ihn dazu, auf eigene Kosten eine Biografie über Ugo Foscolo und Anmerkungen zu dreißig Briefen von Giuseppe Giusti zu veröffentlichen. 1891, mit siebzig Jahren, veröffentlichte er – in tausend Exemplaren und auf eigene Kosten – das Kochbuch „La scienza in cucina e l’arte di Mangiar bene“ (Von der Wissenschaft des Kochens und der Kunst des Genießens). Im „Volkstümlichen hygienischen Almanach“ erscheint eine gute Rezension von dem Arzt Mantegazza, sein Freund und Verleger Bemporad fördert den Vertrieb. 1895 bestätigt ein Neudruck in tausend Exemplaren, ergänzt um hundert Rezepte, dass das Buch nicht nutzlos war. Dann, nach 1897, steigen die Auflagen und die Abstände dazwischen verkürzen sich bis 1911, dem Jahr seines Todes und der 15. Auflage. Von da an wird „La scienza in cucina“ in einem Rhythmus von 10.000 Exemplaren pro Jahr weiter gedruckt. Aber schon ein Jahr vor seinem Tod war es ein Klassiker, der mit den großen Namen der italienischen Literatur wetteifern konnte.